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Dorothee Richter

Fluxus. Kunst gleich Leben?: Mythen um Autorschaft, Produktion, Geschlecht und Gemeinschaft

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Was ist Fluxus, wer ist Fluxus, wann und wo war Fluxus? Es gibt kaum eine Kunstbewegung, deren nähere Bestimmung so schwer fällt. Diverse AutorInnen verweisen darauf, dass aus diesem Grund der Fluxus-Bewegung eine größere Bekanntheit und ein größerer Erfolg am Kunstmarkt verwehrt geblieben ist. Jedoch wirft auch schon die Vermutung Fragen auf: 1. War Fluxus überhaupt eine "Kunstbewegung"? 2. Wollten Fluxus-KünstlerInnentatsächlich Erfolg am Kunstmarkt? Insofern erstaunt es nicht gerade, dass Eric Anderson, ein Fluxus-Künstler der ersten Stunde, noch 2008 behauptet hat, Fluxus habe es nie gegeben. Die divergierenden Äußerungen, die man heute als Fluxus bezeichnen würde, seien genauer unter dem Begriff Intermedia einzuordnen. Auch über die Gruppe der KünstlerInnen, die man als zu Fluxus gehörig oder auch nur mit Fluxus assoziiert bezeichnen könnte, besteht keine Einigkeit. Insofern bietet "Fluxus" (was immer damit gemeint ist) eine hervorragende Vorlage, um Mythologeme und verschlungene Narrationen an den Begriff anzuheften. Zumal Aktionen und ephemere Objekte, Auflagenarbeiten und Zeitungen jene objekthafte kunstgeschichtliche Spur verkomplizieren, die traditionelle künstlerische Aktivitäten gewöhnlicherweise für die InterpretInnen legen. Dabei ersetzen einige Schlagwörter, die im Zusammenhang mit Fluxus häufig genannt werden, die traditionellen Kunstobjekte, sie funktionieren als Klammer für unterschiedliche Praktiken, Orte, Beteiligte und Relikte. Diese Schlagwörter gerinnen zu Quasibildern. Die Parole von "Kunst gleich Leben" etwa ist ein besonders wirkungsvolles Wortbild, das im Kontext von Fluxus gerne genannt wird. Auch die Kombination von Kunst und Politik, Kunst und Alltag oder Aktion und Zufall findet häufig Erwähnung.

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